Archiv der Kategorie: Cybermobbing

My little Safebook

Die Schweizerische Kriminalprävention hat eine neue Broschüre für einen sicheren Umgang mit den Sozialen Medien herausgegeben. Es gibt eine Version für Eltern und Erziehungsberechtigte und eine Version für Jugendliche.

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Statt um kurzfristige technische Einstellungen geht es um das tiefere Verständnis, welche Probleme auf welchen Wegen in Sozialen Medien auftreten können. Gut gemacht.

Die Broschüre «My little Safebook» kann bei jedem Polizeiposten in der Schweiz oder bei der Landespolizei des Fürstentums Liechtenstein bezogen werden.

Cyber-Mobbing

Auch an unserer Schule gibt es immer mal wieder einen Cyber-Mobbing Fall. Nach meinem CAS Medienpädagogik werde ich in solchen Fällen meistens beigezogen. Ich möchte hier mal ein paar grundsätzliche Überlegungen aufschreiben, die vielleicht anderen Schulen in der gleichen Situation auch helfen können.

Tempo
Wenn man von einem Cyber-Mobbing Fall Kenntnis erhält, sollte man schnell reagieren. Neue Medien haben die Angewohnheit, dass das Tempo enorm sein kann. In einem Fall hatten wir weit über 1000 Kommentare an einem Abend. Wenn man ein peinliches Bild oder etwas ähnliches sogar schon stoppen kann, bevor es das erste Mal veröffentlicht wurde, hat man viel gewonnen.

Beweise
Am Besten ist es, wenn Beweise wie Screenshots oder ein SMS-Verlauf zu dem Mobbing vorliegen. In der Prävention könnte das auch erwähnt werden. Häufig ist es aber so, dass das Opfer die Daten löscht, weil sie ihm peinlich und unangenehm sind. In einem Fall haben wir die Handys von den potentiellen Tätern eingesammelt. Die Schule darf das zur Beweissicherung, nur einsehen darf sie sie nicht (ohne die Einwilligung der Erziehungsberechtigten) – im Gegensatz zur Polizei.

Thema der Schule
“Das hat ja in der Freizeit stattgefunden, muss sich da die Schule darum kümmern?” Grundsätzlich muss es Ziel der Schule sein, dass alle in einer Klassengemeinschaft einen Platz haben. Wenn jemand ausgeschlossen und gemobbt wird, trifft das auch die Schule. Zu unterrichten, wenn alle Schüler/-innen von den Problemen innerhalb der Klasse absorbiert sind, kann schrecklich ineffizient sein. Ausserdem sollen wir die Schüler/-innen auch in Sozialkompetenz fördern.

Hilfe
Wir haben gute Erfahrung gemacht, die Schulsozialarbeit ins Boot zu holen. Bei schlimmeren Vorfällen kann es sinnvoll sein, weitere externe Hilfe anzufordern, wie z.B. von der Krisenintervention.

Strafanzeige
Je nach Fall, kann es angebracht sein, den Eltern eine Strafanzeige zu empfehlen. In vielen Fällen ist dies aber nicht notwendig. Unabhängig davon sollte der Vorfall an der Schule aufgearbeitet werden. Ich habe von diversen Fällen gehört, wo die Familie des Opfers am Schluss weggezügelt ist, weil ihr Kind keinen Platz mehr in der Klassengemeinschaft mehr gefunden hat.
Eine Strafanzeige führt dazu, dass abgeklärt wird, wer welche Schuld trägt und welche Bestrafung nach geltendem Recht verdient hat, ABER NICHT zu einer Wiedereingliederung in die Klassengemeinschaft. Dies ist nicht Aufgabe der Polizei oder Staatsanwaltschaft.

Eltern
Die Eltern sollten möglichst schnell auch über den Vorfall und das weitere Vorgehen informiert werden. An einem gemeinsamen Elternanlass kann nochmals aufgezeigt werden, was Cybermobbing bedeutet und was die Schule gemacht hat. Wichtig ist, dass die Eltern nicht das Gefühl haben, die Schule habe überreagiert und im schlimmsten Fall ihren Kindern dies so mitteilen. Die Eltern sollen zu Hause das gleiche sagen wie die Schule, nämlich dass Cybermobbing kein Spass ist, sondern sehr unangenehm fürs Opfer und sogar gefährlich sein kann. Nach so einem Elternanlass stehen die Eltern meistens sogar hinter den von uns verhängten Sanktionen.

Prävention
Prävention ist sehr wichtig – am besten ist es, wenn Cyber-Mobbing gar nicht stattfindet. An unserer Schule haben wir eine Umsetzungshilfe, die die obligatorischen Ziele des Lehrplans mit Vorschlägen zur Umsetzung versieht. Zusätzlich weise ich unsere Lehrpersonen immer mal wieder auf neue Links zum Thema Cybermobbing hin, oder unterstütze mit Ideen zur Umsetzung im Unterricht. Ausserdem kann auch dazu die Schulsozialarbeit beigezogen werden. 

Wirkung von gelösten Fällen
Wenn sich Cyber-Mobbing so lösen lässt, dass das Opfer wieder einen Platz in der Klasse gefunden hat, kann der negative Fall sogar positiv (präventiv) wirken. Meistens werden solche Vorfälle sehr schnell zwischen Schüler/-innen und aber auch zwischen Eltern weitererzählt. Gut ist, wenn die Eltern wissen, dass die Schule am gleichen Strick zieht und sie nicht alleine stehen lässt, wenn ihr Kind mal betroffen sein sollte. Die Schüler/-innen wissen, dass (Cyber-)Mobbing an dieser Schule nicht toleriert wird, aber auch, dass man sich als Opfer an die Schule wenden darf und Unterstützung erhält. So gesehen ist das Handeln bei einem Cybermobbingfall gute Prävention.

freelance: neue Medien

Freelance ist eine “Vereinigung der kantonalen Beauftragten für Gesundheitsförderung in der Schweiz (VBGF), mit den Vertreterinnen und Vertretern aus den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Graubünden, Nidwalden, St.Gallen, Schaffhausen, Thurgau, Uri, Zug und dem Fürstentum Liechtenstein”.

Viele werden das Suchpräventionsprogramm von Freelance kennen, das neben Unterrichtseinheiten auch mit seiner Plakatkampagne für Aufmerksamkeit gesorgt hat.

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Neu sind von freelance nun auch Unterrichtseinheiten zu neuen Medien online verfügbar. Weitere sollen folgen.

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Cybermobbing: Amanda Todd

“Ich habe niemanden“, steht in kugeliger Mädchen-Schrift auf einer weißen Karteikarte. "Ich brauche jemanden.“ Ein traurig guckendes Smiley-Gesicht ist dahinter gemalt. Dann wird der nächste Zettel in die Kamera gehalten. "Mein Name ist Amanda Todd.“ Kurze Zeit später ist Amanda Todd tot. Das auf YouTube veröffentlichte Video war der letzte Hilferuf der 15-Jährigen aus der Nähe der westkanadischen Stadt Vancouver. (heise.de)

Weitere Informationen finden sich z.B. hier, in der Wikipedia oder durch eine Googlesuche nach dem Namen.