Archiv der Kategorie: Informatik

Code your Life

Mit der Einführung des neuen Lehrplan 21 ab Sommer 2017 gehört auch Programmieren zum Pflichtstoff der Volksschule. Es stellt sich die Frage, wie dies kindgerecht umgesetzt werden kann. Code your Life ist eine Initiative des 21st Century Competence Center mit dem Ziel, “Programmieren und Informatik für Jungen und Mädchen im Alter von 10-14 Jahren spannend und aufregend aufzubereiten”. Die Initiative wurde in Deutschland im Februar bundesweit lanciert, unter anderem dank der Unterstützung von Microsoft.

Als Partner möchte Microsoft das Projekt auch in die Schweiz bringen. Am 8. März fand ein erster Anlass bei uns in Altstätten statt.

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Hour of code

Code.org organisiert weltweit einen Anlass in dieser Woche, bei dem Schüler/-innen eine Stunde Programmieren sollten.

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Hier und hier finden sich zwei Filme dazu auf Youtube.

Auf https://code.org/ finden sich mehrere Anleitungen, die die Schüler/-innen selber durchgehen können, z.B. eine zum neuen Star Wars Film oder eine zu Minecraft.

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Zu Beginn der Anleitung gibt es einen Einführungsfilm, der erklärt, was man machen muss. Im Beispiel von Star Wars erklärt die Produzentin des neuen Films, dass der Roboter vollständig in Software entstanden ist und führt in die Aufgabe ein. 

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Danach muss man in einer an Scratch angelehnten Programmierumgebung Aufgaben lösen, indem man Blöcke mit Anweisungen in der richtigen Reihenfolge von der Mitte ins rechte Fenster zieht. Durch einen Klick auf “Ausführen” wird dann dann das so “zusammengebaute” Programm ausgeführt. Die Aufgaben werden immer etwas schwieriger, die Schüler/-innen können das ganze alleine lösen und nach etwa einer Stunde ist es abgeschlossen.

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Einstein Sendung Mathe in der Krise

Einsteins Sendung “Mathe in der Krise” liefert spannende Einblicke in die Mathematik und den Zusammenhang zwischen Mathematik und der Natur.

Zwischen 04:02 und 05:24 gibt es ein Plädoyer für den Einsatz der persönlichen mobilen Geräte der Schüler/-innen (BYOD). Zitat: “Die Gesellschaft hat sich total verändert, aber wir machen noch Mathe wie 1975…”

Zwischen 05:54 und 07:12 wird gezeigt, wie viel Spass zwei Kantischülerinnen beim Programmieren haben, obwohl sie vorher das Gefühl hatten, Informatik sei nichts für sie. Das dies nicht nur mit Kantischülerinnen funktioniert, habe ich erlebt, als ich mal einen Saal voller 4.Klässlerinnen am Programmieren gesehen habe. Das dabei verwendete “Scratch” ist übrigens das selbe, das auch mit den Kantischülerinnen eingesetzt wurde…

Google “Mind the gap”

Mit dem Programm “Mind the gap” möchte Google versuchen, mehr Frauen für Informatik oder andere Ingenieursberufe zu motivieren. Nachdem Frauen von Google in Israel das Programm “Mind the gap” 2008 gestartet hatten, soll es nun weltweit eingesetzt werden. Am letzten Mittwoch fand der erste Anlass in der Schweiz statt.

Am Morgen wurden 30 Schülerinnen von etwa 11 Jahren in Zürich begrüsst und es gab einen Einblick eines “normalen” Tag im Leben einer Programmiererin bei Google. Schliesslich sollten die Schülerinnen mit Scratch selber etwas Programmieren.

Nach der Pause ging es dann zu einer Besichtigung des Google Gebäudes inkl. den Räumen mit Spielgeräten etc. Eine Lehrperson war der Ansicht, dass es bei Google “kinderfreundlicher” eingerichtet sei, als in einem Schulhaus. Auch die Rutsche in das Restaurant durfte natürlich nicht fehlen.

Danach ging es nochmals ans programmieren. In dieser kurzen Zeit wurde z.B. dieses Spiel geschrieben, bei dem man mit den Cursortasten den blauen Balken unten hin- und her bewegen kann. Wenn ein Ball nach unten fällt, löst er sich auf, wenn er mit dem Balken abgefangen wird, dupliziert er sich.

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Der Code wird in Scratch mit Bausteinen zusammengestellt. Man muss sich also nicht um richtig gesetzte Strichpunkte etc. kümmern.

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Das Programm lässt sich auch gut im Unterricht einsetzen. Es war eindrücklich zu sehen, wie schnell es Erfolgserlebnisse gibt und wie motiviert und konzentriert gearbeitet wurde.

Am Schluss gab es neben einer Mausmatte und einer Scratchanleitung auch noch ein Zertifikat:

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Die zwei Mädchen, die ich begleitet habe, haben beide gemäss eigenen Aussagen Informatik nun als weitere Möglichkeit für ihre Berufswünsche im Hinterkopf. Google hat also das erreicht, was sie wollten. In einem halben Tag.

Stellenwert von Informatik in der Schule

Am diesjährigen Kadervernetzungstag hat Ludwig Hasler ein imposantes Einstiegsreferat mit dem Titel „Weltsprache Informatik“ gehalten.

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Das Referat war frei gesprochen, lehnte sich inhaltlich aber wohl an seine von der Hasler-Stiftung veröffentlichte philosophische Annäherung “Informatik und Bildung” an, zumindest hat er diese als Tagungsunterlagen angegeben.

Ein paar Auszüge:

“…Wären wir so konsequent wie unsere Vorfahren, gäben wir der Informatik einen zentralen Platz in der Bildung. … Eine Gesellschaft, die ganz den Spezialisten überlässt, was sie steuert, gibt ihre Souveränität auf.”

“Diesem Schongang entspringt wohl auch die spontane Abwehr eines Pflichtfaches Informatik in Grundschulen. „Jeder Zehnjährige ein Programmierer!?“ Es ist der Reflex gegen Diktate „der Wirtschaft“ an die Schule. … So dass uns nur diese Wahl bleibt: Entweder wir lassen uns willfährig lenken durch Programme einer Denkweise, die uns schleierhaft bleibt – oder wir lernen kennen, was uns lenkt. Schmeckt nach Entweder – Oder: Unmündigkeit oder (mögliche) Freiheit.”

“Mit Informatik verzagt dieselbe Bildungspolitik, versenkt sie im fächerübergreifenden Thema ICT, vermischt mit Medienkompetenzen. …IT … begründet als eigenständige Wissenschaft eine neue Haltung zur Welt, neu – verglichen mit der Haltung der Sprachen und der Mathematik.”

“Wer in einer Welt der Algorithmen keine Ahnung von informatischem Denken hat, wird leicht zur Marionette von Spezialisten. Man wird damit nicht zwingend unglücklich. Mündigkeit jedoch sieht anders aus. Sie setzt voraus, dass wir kennen, was uns steuert.”

Informatik ist wohl wirklich auf dem Weg, die vierte Kulturtechnik zu werden, wenn sogar ein 70-jähriger Referent in wenigen Minuten erklären kann, wieso dies so sein wird.

Obwohl ein eigenes Fach im Lehrplan 21 nicht durchgekommen ist, verlangt das Modul “Medien und Informatik” auch die Förderung von Kompetenzen der Informatik:

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Nur deckt sich das nicht mit meiner Wahrnehmung von Lehrpersonen und Schulleitungen. Es gibt zwar einige Beispiele, die gezielt versuchen, auf diese Kompetenzen hinzuarbeiten, aber gefühlt ist das eine kleine Minderheit. Nachdem das Editorial des Schulblattes 2015 Nr. 3 zwar von den Änderungen des Lehrplans handelt, aber kein Wort über das neue Modul “Medien und Informatik” verliert, wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Immerhin wird auf Seite 180 dann darauf hingewiesen, dass da wohl doch noch Handlungsbedarf besteht:

“Mit der Einführung des Lehrplan 21 und damit der stärkeren Gewichtung des Kompetenzbereichs «Medien und Informatik» muss mit einem erhöhten Bedarf an Weiterbildung in diesem Bereich gerechnet werden.”

Auch Beat Döbeli’s begründete Angst, dass das Modul “Medien und Informatik” vergessen gehen könnte, stimmt nicht gerade optimistisch.
Geschweige denn, dass die für die Einführung des neuen Lehrplans in Zürich zuständige Frau Schmocker den Handlungsbedarf nicht zu begreifen scheint.