Archiv der Kategorie: BYOD

erster Austauschnachmittag mobile Geräte

Wie viele andere Schulgemeinden stellen wir uns auch die Frage, wie in Zukunft mit mobilen Geräten an unserer Schule gearbeitet wird. Für Interessierte hier unser Vorgehen…

  • Aus einem Auftrag unseres Schulrates  wurde eine Arbeitsgruppe „mobile Geräte“ gebildet, die bis zum Budget für das Schuljahr 2016 eine Empfehlung zu Handen des Schulrates zum Thema mobile Geräte erarbeiten soll. Wichtig zu wissen ist, dass das Budget 2016 bereits im Mai/Juni 2015 verabschiedet wird.
  • Um alle Lehrpersonen zu informieren und auf einen gleichen Informationsstand zu heben, haben wir mit Herrn Beat Döbeli einen ausgewiesenen Experten zu dem Thema für ein Referat eingeladen.
  • Danach wurden alle Lehrkräfte befragt. Es gab zwei für die Arbeitsgruppe wichtige Punkte: Es gibt eine grosse Mehrheit der Lehrpersonen, die mobile Geräte einsetzen möchte, es pressiert aber nicht. Ab der 5./6. Klasse wird BYOD deutlich favorisiert. In den unteren Stufen sieht man eher einen Gerätepool, der ausgeliehen werden kann.
  • Die Lehrpersonen wurden danach vom Schulrat ermuntert, Erfahrungen mit BYOD zu sammeln. Die WLAN-Technik ist vorhanden, im Moment muss einfach mit den vorhandenen Geräten gearbeitet werden, da es noch kein Budget für Schulgeräte gibt.
  • Die Arbeitsgruppe hat eine Powerpoint-Präsentation erarbeitet, die Lehrpersonen verwenden können, um die Eltern zum Thema zu informieren. Dies sollte den Lehrpersonen auch helfen, den Eltern aufzuzeigen, dass die Schule hinter dem Einsatz von mobilen Geräten steht und dies nicht eine Idee einer einzelnen Lehrperson ist.
  • Um einen Austausch zwischen den einzelnen Lehrpersonen zu fördern und damit die Arbeitsgruppe erfährt, ob wir auf Kurs sind oder wo allenfalls Probleme auftreten, wurde ein Erfahrungsaustausch organisiert.

An diesem Erfahrungsaustausch meine ich, folgendes beobachtet zu haben:

  • Die Arbeit mit mobilen Geräten findet in diversen Schulzimmern statt und nimmt immer mehr Fahrt auf.
  • Es ist nicht die Idee, plötzlich alles mit mobilen Geräten zu machen. Es geht hauptsächlich um punktuelle Ergänzungen zum „traditionellen“ Unterricht mit Mehrwert.
  • Bei einigen Beispielen spielt es nicht einmal eine Rolle, ob alle Schüler/-innen ein Gerät zur Verfügung haben. Oft kann auch zu zweit oder zu dritt gearbeitet werden.

Neben vielen spannenden Beispielen, die schon in der Schule stattgefunden haben wurden folgende Erfahrungen/Gedanken/Wünsche/Bedenken geäussert (kursiv –> mein Kommentar):

  • Es sollten weitere solche Möglichkeiten für einen Erfahrungsaustausch angeboten werden.
  • Es werden Geräte aus einem Pool benötigt. Auf der Unterstufe grundsätzlich, auf der Mittelstufe und Oberstufe, um Schüler/-innen, die kein eigenes Gerät haben, eines zur Verfügung zu stellen.
  • Es wurden Bedenken geäussert, dass es einen Druck auf Eltern geben wird, den Kindern auch ein Gerät zur Verfügung zu stellen.
    Diese Bedenken müssen ernst genommen werden. Obwohl die Schüler/-innen auch vom Pausenplatz wissen, wer schon ein eigenes Smartphone oder ein Tablet besitzt  (und dies auch bei anderen Dingen passiert: Wer hat die teuerste Jeans? Wer hat die besten Hallenturnschuhe? Wer hat im Skilager gutes Material dabei? …) gibt es natürlich einen zusätzlichen Druck, wenn man in der Schule das eigene Gerät einsetzen kann.
  • Es gibt Klassen, die gemäss Aussagen der Eltern fast keine eigenen Geräte mitbringen können.
    Dies deckt sich nicht mit den statistischen Untersuchungen in der Schweiz. Es ist nun schwierig abzuschätzen, ob diese Aussagen daher kommen, dass es Eltern hat, die gar nicht wollen, dass mobile Geräte in der Schule eingesetzt werden oder sie nicht an alle Möglichkeiten denken. Wichtig ist hier wohl auf jeden Fall eine gute Kommunikation seitens der Lehrpersonen. Auch ich würde meinen Kindern nicht mein privates Handy mitgeben, so wie das Eltern scheinbar auch gesagt haben. Aber Erfahrungen aus anderen Schulen zeigen, dass plötzlich viel mehr Geräte zur Verfügung stehen, wenn man zusammen mit den Eltern nach kreativen Lösungen sucht. So liegen in vielen Haushalten alte Smartphones herum, weil man nach zwei Jahren wieder ein neues ausgewählt hat. Diese Smartphones benötigen keine Sim-Karte, um in der Schule mit WLAN benutzt zu werden.

Daraus ergeben sich weitere Aufgaben für die Arbeitsgruppe:

  • Die Arbeitsgruppe wird erneut zusammen kommen und die gemachten Erfahrungen/Gedanken/Wünsche/Bedenken diskutieren.
  • Es muss geklärt werden, wie wir das mit den Pool-Geräten und den Geräten für Schüler/-innen die kein eigenes Gerät mitbringen können, organisieren und planen können. Auch Fragen über Anzahl, Verwaltung, Support, Plattform, Budgetierung über mehrere Jahre, … müssen allenfalls zusammen mit der EDV-Kommission geklärt werden.
  • Es wird nochmals ein Erfahrungsaustausch organisiert. Neue Erfahrungen sollen auch in die weitere Planung einfliessen.
  • Endziel wird es sein, dem Schulrat einen Vorschlag zu unterbreiten. Dieser wird dann entscheiden.

Viele Wege führen zu einer Schule, die mobile Geräte im Unterricht einsetzt. Im Moment hoffen wir, dass wir auf einem guten Weg sind, der sich dann auch umsetzen lässt. Falls jemand Erfahrungen hat, die uns auf unserem Weg weiterhelfen können, freue ich mich natürlich über Rückmeldungen. Es müssen ja nicht alle die gleichen “Fehler” wiederholen.

BYOD Erfahrungen aus Schulen in Deutschland

Wenn man sich mit BYOD in Schulen auseinandersetzt, können allenfalls ein paar Erkenntnisse aus diesem Artikel der c’t hilfreich sein.

Offene Unterrichtsformen scheinen mehr Möglichkeiten für den Einsatz mobiler Geräte zu bieten.

…dass am Gymnasium bevorzugt traditionelle, lehrerzentrierte Unterrichtsmethoden umgesetzt wurden, während an der Realschule ein schüler- und projektorientiertes Konzept im Vordergrund stand, was generell mehr Möglichkeiten für den Einsatz digitaler Medien bietet.

Der Einsatz von digitalen Medien kann nicht dazu verwendet werden, offenere Unterrichtsformen zu fördern, der Weg müsste umgekehrt gehen (vgl. Punkt oben)

Die Wissenschaftler leiten daraus ab, dass das Vorhandensein digitaler Medien allein nicht zwangsläufig auch zu einer Öffnung und Modernisierung von Unterricht führt. „Eine Schule, die sich um einen offenen Unterricht bemüht, kann digitale Medien einsetzen, um diese Art des Unterrichtens zu fördern und besser umzusetzen“, erklärt Richard Heinen von der Universität Duisburg-Essen. „Wenn eine Schule an traditionelleren Unterrichtsformen festhält, kann auch Technik daran wenig ändern und bringt weniger Vorteile.“

Der Einsatz von mobilen Geräten sollte ein Schulentwicklungsthema sein und damit nicht nur von den ICT-Verantwortlichen an einer Schule, sondern vor allem von der Schulführung (z.B. Schulleitung) getragen werden.

Zudem war das Smartphone-Projekt nur eines von vielen, während der Technikeinsatz an der Realschule gezielt vorangetrieben wurde, um damit auch Schulentwicklungsthemen wie individuelle Förderung, Inklusion und Umgang mit Heterogenität zu unterstützen.

Die Technik resp. der Kauf von Hardware alleine bringt nichts…

„Nur ein Handy-Verbot aufzuheben und Accesspoints aufzuhängen, reicht nicht.“ vielmehr müsse die Schule eine klare und gemeinsam getragene Vision haben, wie und zu welchem Ziel mit digitalen Medien und Endgeräten gearbeitet werden soll.

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