Jeder ist ein Terrorist… die Frage ist nur, zu wie viel Prozent.

Doch noch ein Blogbeitrag zu der Überwachung von Geheimdiensten wie NSA und GCHQ und wie sie alle heissen. Mich wundert es, dass dieser Skandal in der Öffentlichkeit so wenig Beachtung erfährt. Verglichen zum Fichenskandal werden hier viel weitreichender Daten gesammelt. Der Fichenskandal wurde aber in der Öffentlichkeit viel eher wahrgenommen.

Die Aufdeckung des Fichenskandals bewegte die schweizerische Öffentlichkeit stark. Das Vertrauen vieler Bürger in den Staat war erschüttert.

Wieso hat man bei beim aktuellen Skandal das Gefühl, dass er von der breiten Bevölkerung gar nicht wahrgenommen wird? Hier ein paar Ideen:

Gegen den Terror.
Die Geheimdienste dienen dem Schutz der Bürger. Was sie ausspionieren, machen sie, um die Bürger zum Beispiel vor einem Terroranschlag zu beschützen. Wie viel Verzicht auf Privatsphäre ist es wert, wenn man dafür einen Terroranschlag verhindern kann? Wahrscheinlich viel. Aber wo ist die Grenze? Ich weiss es nicht.

Zu schwierig und zu technisch?
Wenn man die Artikel zum Thema liest, sind diese sehr technisch formuliert, was in der Natur der Sache liegt. Dieser Artikel von Heise liefert eine Zusammenfassung zu ihrer Berichterstattung. Dort ist auch der Artikel „Warum die NSA-Affäre auch Tante Grete betrifft, die gar nicht auf Facebook ist“ verlinkt, der aufzeigt, dass das Problem nicht nur Personen betrifft, die sich aktiv im Internet bewegen.
Ausserdem hat SRF3 einen Input zu dem Thema „Privatsphäre im Schleppnetz“ veröffentlicht, dem man auch ohne grosses technisches Know-How folgen kann. Aufschlussreich das Zitat bei 12min 38 sek:

Und jeder ist ein Terrorist. Sie sind vielleicht nur zu zwei Prozent ein Terrorist, also fallen Sie durch das Netz oder Sie sind zu 60 Prozent ein Terrorist, dann fallen Sie immer noch ein wenig durchs Netz aber Sie werden langsam unter Verdacht genommen. Und da hat es sehr viele zufällige Daten dabei….

Ich habe nichts zu verbergen
Stimmt ja irgendwie. Aber das Ganze ist wie so oft mehr als die Summe der Teile. Wenn nun also alles über mich bekannt ist (z.B. wo ich mich bewege aufgrund der Daten, bei welchem Masten sich das Handy einbucht, nach was ich im Internet gesucht habe, die Inhalte aller meiner Mails und SMS und noch vieles mehr) und dies über viele Jahre gespeichert wird, gibt das ein ungutes Gefühl. Irgendwann könnten diese Daten ja auch in einem anderen Zusammenhang verwendet werden (also nicht, um Terror abzuwenden). Zum Beispiel haben ja Analysten bereits ihre Geliebten überwacht, es sind ja eben Menschen, die diese Daten bearbeiten. Dann können Daten auch abhandenkommen (vgl. CD’s mit Bankkontendaten oder gehackte Accounts diverser grosser Internetfirmen). Ein Szenario könnte ja sein, dass ich gewisse Dienstleistungen nicht mehr erhalte (z.B. günstige Versicherungsprämien, weil über Jahrzehnte gesammelte Daten eine grössere Wahrscheinlichkeit für eine teuren Krankheitsverlauf in hohem Alter erahnen lassen) und nicht einmal weiss, wieso. Ein anderes Szenario könnte ja aber auch sein, dass der Staat sich plötzlich gegen die Bürger wendet, mit all dieser gesammelten Macht. Wie viel Macht darf der Staat über seine Bürger haben?

Schule?
Könnte dieses Thema nicht auch Thema in der Schule sein? So wie wir den zweiten Weltkrieg im Geschichtsunterricht behandeln, unter anderem auch, um durch das Wissen um die Anfänge und die entstandenen Auswirkungen aufzuzeigen, dass sich so etwas nie wieder wiederholen darf? Wehret den Anfängen! Wieso also nicht in einer Staatskundestunde mal überlegen, wie weit der Staat gehen darf um seine Bürger zu beschützen, ohne dabei selber zur grössten Gefahr für die Freiheit seiner Bürger zu werden.

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