Neue mobile Geräte: Test und Vergleich

Auch dieses Jahr kaufen wir wieder über 100 mobile 2in1 Geräte. Letztes Jahr haben wir uns für das Surface Pro 4 entschieden. Damals gab es noch nicht so eine grosse Auswahl an Konkurrenzprodukten, das einzige Gerät, das ich testen konnte, war ein Vorseriengerät vom HP elite x2 1012. Da das Surface Pro 4 schon länger auf dem Markt ist und es heute verschiedene Alternativen gibt, habe ich mir den Aufwand nochmals gemacht und folgende Demogeräte getestet:

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Hier eine kleine Übersicht über die verschiedenen Demogeräte. Leider entsprechen die Demogeräte nicht 1:1 den angeforderten Offerten, aber es geht ja eben nicht nur um solche Leistungsdaten.

Acer Switch Alpha 12

Lenovo Miix 510

Lenovo Miix 720

Surface Pro 4

RAM

8 GB

8 GB

16 GB

4 GB

HDD

256 GB

256 GB

256 GB

128 GB

Prozessor

i5-6200U

i7-6500U

i7-7500U

i5-6300U

Auflösung

2160×1440

1920×1200

2880×1920

2736×1824

Acer Switch Alpha 12
Das Acer Switch Alpha kühlt seinen Core i5 innovativ mit einer Kühlflüssigkeit anstatt mit einem Lüfter und bleibt dadurch im Betrieb stets lautlos. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass es das mit Abstand günstigste Gerät in diesem Vergleich ist. Ansonsten verzichte ich auf die “normalen” Tests und verweise auf Tests z.B. von NotebookCheck, MobileGeeks oder MobileTechReview. Aus diesen Tests entnehme ich, dass das Acer Switch Alpha 12  etwas weniger hell als das Surface Pro 4 ist. Das kann ich bestätigen, das Display war das dunkelste der 4 Testkandidaten, was wahrscheinlich aber nur beim direkten Vergleich auffällt.
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Viel mehr wiegt jedoch die Tatsache, dass die Laufzeit deutlich kürzer zu sein scheint als beim Surface, was ich aber nicht selber getestet habe:
And here’s where the dream dies, just a little. If you need long battery life, this isn’t the tablet for you. (Quelle: MobileTechReview)
Der Stift wird mit einer Lasche an der Tastatur gehalten, was schon nicht ganz so elegant wie die magnetische Halterung beim Surface ist. Der Stift fällt aber in dem Testfeld deutlich ab. Handschriftliche Notizen wirken sehr krakelig im Vergleich zu den anderen Geräten.
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Die allgemeine Verarbeitung ist in Ordnung. Das Tablet selber wirkt wertig, die Tastatur nicht so ganz. Zum Beispiel klappert das Touchpad ein wenig.
OSD
Um Geräte über einen USB Netzwerk Adapter mit SCCM neu aufzusetzen, muss man eine Ausnahme für die Mac Adresse des Adapters erstellen und das sogenannte Prestaging über die UUID machen. Dies ist ausführlich in diesem Beitrag beschrieben. Im Gegensatz zu allen anderen Testgeräten hat das Acer Gerät eine andere UUID in den UEFI Einstellungen, als die UUID, mit der sich das Gerät übers Netzwerk ausweist. Man kann dies umgehen, indem man das Neuaufsetzen für unbekannte Geräte aktiviert, es ist also kein unlösbares Problem, aber es macht irgendwie nicht viel Sinn und hat mich einige Zeit gekostet.
WLAN Verbindung
Das grössere Problem ist die Netzwerkverbindung übers WLAN. Wenn nach dem Bootvorgang der Anmeldebildschirm angezeigt wird, ist das WLAN noch sehr lange nicht bereit (zumindest bei unserer WLAN Verbindung, bei der sich die Computer mit einem Zertifikat an einem Radiusserver authentifizieren – vgl. die 4 Punkte aus diesem Beitrag). Bei den anderen Testgeräten geht das so schnell, dass man nichts davon merkt, die Netzwerkverbindung steht schon, bis man sein Passwort eingegeben hat. Beim Acer dauert es etwa 1 Minute länger, bis das Wlan-Symbol mit dem Sternchen unten im Bild auf das verbundene Symbol wechselt.
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Wenn man sich während dieser Zeit anmeldet, bekommt man den Hinweis, dass nicht alle Netzlaufwerke wiederhergestellt werden konnten, wenn man sich an dem Computer schon einmal angemeldet hat.
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Falls man sich an dem Computer noch nie angemeldet hat, kommt die Meldung, dass keine Anmeldeserver verfügbar seien.
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Der Support von Acer hat sich mächtig ins Zeug gelegt und mir über Taiwan einen anderen Netzwerktreiber organisiert. Damit funktioniert auch die WLAN Verbindung nach dem Bootvorgang so schnell wie bei den anderen Geräten. Leider ist dieser Treiber der ältere als derjenige, der aktuell auf der Homepage von Acer verfügbar ist. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft auch neuere Treiber angeboten werden, die das reproduzierbare Phänomen nicht mehr aufweisen. Unter Umständen muss man ja aus anderen Gründen (z.B. neue Anforderungen nach einem Windows Update) einen neueren Treiber einsetzen.
Treibervergleich
Fazit
Acer bietet mit dem Switch Alpha 12 ein interessantes Gerät mit innovativer Kühlung und ein paar Schwächen zu einem Preis der deutlich unter dem der anderen Testgeräte liegt.
Lenovo Miix 510
Auch hier möchte ich auf externe Tests verweisen, Dieses Mal von NotebookCheck und LaptopMag, Scheinbar hat auch das Miix 510 nicht die gleich lange Akkulaufzeit wie das Surface Pro 4.
Das Miix 510 wirkt sehr wertig. Das Klappscharnier sieht z.B. sehr stabil aus.
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Der Lüfter springt aber deutlich öfter als beim Surface an und ist auch etwas lauter resp. störender. Um den Stift am Gerät zu befestigen, liefert Lenovo eine Plastikhalterung mit, die in den USB Anschluss gesteckt werden kann. Dann wird aber der Stromanschluss verdeckt. Und überhaupt wirkt das Ganze etwas billig und passt irgendwie nicht zur restlichen Qualität.
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Als einen grossen Mangel empfinde ich die Tastatur. Die rechte Grossschreibtaste (Shift) ist weiter nach rechts gerutscht. Ich habe einige Personen gebeten, einen Text mit der Tastatur zu schreiben und es haben sich alle verschrieben. Statt einen Grossbuchstaben zu schreiben, rutscht man eine Linie nach oben, wo der weitere Text dann zwischen den bereits bestehenden eingeschoben wird.
Komisch, dass das in den meisten Tests nicht erwähnt wird. Zumindest den Tester eines Yoga 910 in der FAZ hat diese Tastenanordnung aber auch so gestört, dass der ganze Artikel den Titel “Wenn nur die verflixte Shift-Taste nicht wäre” erhielt. Zitat:
…die das ganze Gerät für einen Zehnfingerschreiber unbrauchbar macht: Die rechte Shift-Taste liegt zu weit rechts, und vor ihr befindet sich die Cursor-Hoch-Taste so unglücklich, dass man beide immer wieder verwechselt, selbst nach mehrstündigem Schreiben mit dem Gerät…
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Fazit
Im Vergleich zum Surface hat das Miix 510 in der offerierten Version einen etwas schwächeren Prozessor (i5-6200U) und die schlechtere Auflösung, aber dafür 8GB Ram und eine 256GB Festplatte. Trotzdem ist es etwas günstiger als das Surface, aber deutlich teurer als das Acer Switch Alpha 12. Das Lenovo Miix macht vieles richtig. Stifthalterung, Lüftergeräusch, die kürzere Akkulaufzeit und vor allem das Tastaturlayout machen aber vieles davon wieder zunichte.
Lenovo Miix 720
Das neueste Gerät im Test ist auch das einzige mit den neuen Kaby-Lake Prozessoren von Intel. Zuerst wieder ein paar Verweise auf externe Tests, dieses Mal von NotebookCheck und WindowsUnited.
Das Miix 720 wirkt sehr wertig und auch hier wurden die für Lenovo typischen Scharniere eingesetzt.
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Als Stifthalterung ist die gleiche Plastiklösung vorgesehen wie beim Miix 510.
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Und auch den “Fehler” beim Tastaturlayout hat Lenovo für das neue Modell übernommen. Dies ist extrem schade, da die Tastatur sonst das angenehmste Schreibgefühl hat und auch das Touchpad sehr wertig wirkt.
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Leider springt auch beim Miix 720 der Lüfter oft an, ist aber nicht ganz so aufdringlich wie beim Miix 510. Das Miix 720 ist das schnellste Gerät bei einem aufwendigen Gimpfilter. Die anderen Geräte sind aber gar nicht mal so viel langsamer. Wenn man dann noch beachtet, dass das Miix 720 Demogerät einen i7 Prozessor mit 16 GB Ram hat und auf das offerierte Gerät “nur” einen i5 mit 4 GB Ram, relativiert sich der Vorsprung noch mehr (vielleicht würde dafür der Lüfter noch weniger anspringen). Auf das Miix 720 folgt das Surface als zweitschnellstes Gerät, dann das Miix 510 und am Schluss das Switch Alpha 12.
PXE Boot, um das Miix 720 übers Netzwerk neu aufzusetzen, funktioniert nicht, resp. nur mit Legacy Einstellungen im UEFI (was andere Probleme nach sich zieht). Gemäss Auskunft vom Lenovo Support sei das Problem bekannt und auch bei anderen Herstellern mit Kaby Lake Geräten vorhanden. Das Firmware Update solle voraussichtlich noch diese Woche bereitgestellt werden. Ich habe das Gerät nun mit einem in SCCM erstellten Bootmedium aufgesetzt. Aber auch wenn das Firmwareupdate demnächst verfügbar ist, würde das bedeuten, dass ich bei allen 121 Geräten zuerst ein Firmwareupdate einspielen muss, bevor ich die Geräte übers Netzwerk neu aufsetzen kann.
Fazit
Das Miix 720 wäre der aktuelle Nachfolger für die schon älteren Surface Pro 4. Aktuelle Anschlüsse, aktueller Prozessor, … und die Offerte sogar noch ganz wenig günstiger als die Offerte fürs Surface Pro 4. Aber halt eben auch die oben erwähnten Probleme.
Surface Pro 4
Das Surface Pro 4 ist schon seit 2015 auf dem Markt und ist immer noch ähnlich teuer wie beim Kauf vor einem Jahr. Dies war der Grund für diesen aufwändigen Test, bei dem es auch darum ging, die Geräte in unserem Netzwerk inkl. Neuaufsetzen unter gleichen Bedingungen zu testen. Wahrscheinlich wird wohl noch dieses Jahr das Surface Pro 5 auf den Markt kommen und allenfalls die Restbestände des Pro 4 dann deutlich billiger werden. Aber es gäbe immer einen Grund, noch weiter abzuwarten. Das Surface Pro 4 hat ein sehr gutes Display (wie das Miix 720 übrigens auch), läuft immer noch vergleichbar schnell wie die anderen Geräte und leistet sich keine grösseren Patzer.
Kleine Details wie die magnetische Stifthalterung oder der magnetische Netzteilanschluss, der verhindert, dass beim Anschliessen oder Abhängen des Ladekabels etwas mechanisch kaputt geht, überzeugen immer noch.
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Ausserdem ist es vorbildlich, dass Microsoft Treiber und Firmwareupdates in einer Zip-Datei fürs Neuaufsetzen und als MSI fürs Deployment an Geräte, die bereits im Einsatz sind, zur Verfügung stellt. Den neuen Microsoft Surface Enterprise Management Mode habe ich noch nicht getestet, aber man merkt auch daran, dass Microsoft das Deployment einer grossen Anzahl von Geräten im Auge hat.
Dass wir schon vom letzten Jahr 175 Surface im Einsatz haben, spricht sowohl dafür als auch dagegen, dieses Jahr weitere zu kaufen. Dafür spricht, dass wir gute Erfahrungen gemacht haben, dass wir ein Gerät weniger hätten, für das man Treiber etc. suchen, testen und verteilen muss, dass man die gleichen USB Netzwerk Adapter einsetzen kann, … Dagegen spricht, dass es eine Art “Klumpenrisiko” gibt. Was ist, wenn die Geräte nach 3 oder 4 Jahren reihenweise ausfallen? Oder der Akku nur noch 30 Minuten ohne Strom durchhält?
Sitzung
An unserer EDV Kommission Sitzung werden Vertreter unserer Schulräte und unsere Schulhaussupporterinnen und Schulhaussupporter die Möglichkeit haben, die Geräte in die Hand zu nehmen und zu testen. Zusammen mit dem offerierten Preis und meinen hier aufgeführten Erfahrungen wird ein Entscheid gefällt, den ich hier wieder veröffentlichen werde.
Nachtrag
Die EDV Kommission hat beschlossen, wieder Surfaces zu kaufen, dieses Mal aber die Version mit i5, 8GB Ram und 256 GB SSD.

8 Gedanken zu „Neue mobile Geräte: Test und Vergleich

  1. Andreas

    Super Überblick.
    Wo bekommst du denn die Demogeräte her?
    Hatten die alle Win10 Pro oder werden die für Schulgeräte standardmäßig mit Win10Edu ausgeliefert?

    Antwort
    1. ictschule Autor

      Danke für die Rückmeldung.
      Das Acer Gerät habe ich direkt von Acer erhalten, das Miix 510 und Miix 720 von der Partnerfirma, bei der wir unsere Hardware beziehen und das Surface Pro 4 haben wir seit letztem Jahr selber bei uns im Einsatz.
      Eigentlich spielt es für mich keine Rolle, ob die Geräte mit Windows 10 Home oder Pro geliefert werden, da ich sie ja sowieso mit unserem Image (mit Windows 10 Edu) neu aufsetze.

      Antwort
  2. Axel

    Danke für den ausführlichen Bericht!
    Darf ich fragen, warum das HP x2 1012 nicht erneut mit getestet wurde?

    Antwort
    1. ictschule Autor

      Danke für die Rückmeldung.
      Das HP x2 1012 ist ein gutes Gerät, das letztes Jahr nur knapp den Entscheid gegen das Surface verloren hat. Eigentlich wollte ich ja schauen, ob es ein Jahr später bessere oder günstigere Geräte als das Surface Pro 4 gibt. Da erschien es mir unsinnig, nochmals ein Demogerät vom x2 1012 zu organisieren, wenn ich es doch schon hier zum Testen hatte. Ist eben doch auch ein Aufwand. Dies soll aber nicht heissen, dass es ein schlechtes Gerät wäre.

      Antwort
  3. Andreas

    Findest du, dass Windows 10 in der Education Version notwendig ist? Bis auf eine Handy voll Features ist sie ja identisch mit der Pro Version.

    Antwort
    1. ictschule Autor

      So weit ich weiss, entspricht die EDU Version der Enterprise Version. Ich lade die von der Volumenlizenzierungsseite herunter und lizenziere alle Clients übers Active Directory. Ganz ehrlich gesagt, habe ich mir noch nie überlegt, ob das auch mit der PRO Version so funktioniert, wahrscheinlich aber schon.

      Antwort

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