Archiv der Kategorie: neue Medien

“Ich habe ja nichts zu verbergen”

Diesen Satz hört man immer wieder, wenn man über Datenschutz oder Datensparsamkeit spricht. Und es ist ja so. Im Moment befürchte ich ja auch nicht, dass ich demnächst von einem Sondereinsatzkommando festgenommen werde… Es geht vielmehr um Bedrohungen, die sich in der Zukunft ergeben können. Was passiert mit den Daten, wenn die falschen Leute an die Macht kommen? Oder …? (vgl. auch diesen Beitrag). 

Das Editorial aus dem c’t 17/15 beschreibt eindrücklich, wie gesammelte Daten, bei denen auch jeder gedacht hat, dass man ja nichts zu verbergen habe, in kürzester Zeit über Leben und Tod entscheiden können. Lesenswert.

Content-Filter für SSL Seiten

Wir haben unseren Internetzugang von Swisscoms “Schulen ans Internet” Angebot auf einen lokalen Kabelnetzbetreiber gewechselt.

Damit sind wir auch selber zuständig für das vom Kanton verlangte “Web Content Screening”. Auch wenn einige Gründe gegen ein Aufbrechen des SSL Verkehrs sprechen (vgl. z.B. Blogbeitrag von Beat Döbeli), machen wir das nun auch.

MITMAweiss

  • Da der Kanton dies vorgibt, ist der Spielraum sehr klein. Wenn Schüler/-innen z.B. bei der Bildersuche von Google z.B. nach pornografischen Begriffen suchen, kommen sie definitiv auf Bilder, die zu den unerwünschten Inhalten gehören, die gemeint sind.
  • Auf den Computern in der Schule müssen nur Seiten aufgerufen werden, die einen schulischen Bezug haben. Wer den Personen, die Zugang zur Firewall haben, nicht traut, sollte private https Seiten nicht mehr in der Schule aufrufen.
  • Viele Seiten sind immer noch unverschlüsselt, dort kann jeder, der unterwegs Zugang zu dem Datenverkehr hat, mitlesen.
  • Die Daten liegen dem Serverbetreiber unverschlüsselt vor. Bei einer Google-Suche wertet Google alle gesuchten Daten aus und versucht ein Profil des Benutzers zu erstellen.
  • Wenn bei einem Mailprovider ein Spamfilter auf dem Server aktiviert ist, muss dieser auch alle Mails durchsuchen, um sie als Spam zu klassifizieren.

Trotz all dieser Gründe ist und bleibt es ein Eingriff in die Privatsphäre der Benutzer. Daher erscheint mir sehr wichtig, dass die Benutzer auf diesen Umstand hingewiesen werden. Wir haben daher auf unserer Homepage ein Dokument veröffentlicht, das auch technisch nicht so versierten Benutzern erklären soll, was denn da genau passiert.

Nachtrag
Hier ist beschrieben, wie man das mit einer Sophos UTM umsetzen kann.

neue Empfehlungen Kanton St. Gallen

Der Kanton St. Gallen hat am 11.Februar 2015 das alte Konzept aus dem Jahre 2001durch die neuen Empfehlungen “Medien und Informatik in der Volksschule” ersetzt.

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Hier ein paar Auszüge mit Bemerkungen:

  • “Es ist zudem von zentraler Bedeutung, dass Lehrpersonen die Beschäftigung mit neuen Medien als wichtig für die Entwicklung und für das künftige Berufsleben der Lernenden erachten. Das heisst, Technologien sind nicht nur ein praktisches Bildungswerkzeug, sondern sie stellen auch einen bedeutenden Bildungsinhalt dar.”
    Gut, dass der Kanton hier so klar Stellung bezieht.  Es gibt immer noch Lehrkräfte, die das Gefühl haben, neue Medien seien nicht so wichtig für sie und ihre Schüler/-innen. Auf der anderen Seite wird von immer mehr Seiten erkannt, dass Medienkompetenz heute als vierte Kulturtechnik gilt (vgl. z.B. Medienkompetenz im Schulalltag). Dieses Ziel umzusetzen ist klar eine Führungsaufgabe und sollte von den Schulleitungen als fortlaufende Aufgabe wahrgenommen werden.

  • “Da der persönliche Gerätebesitz bei Kindern und Jugendlichen gemäss aktuellen Studien2 laufend zunimmt, ist das Thema «Bring your own device» (BYOD) zunehmend im Gespräch.”
    Da sind wir scheinbar auf dem richtigen Weg.

  • “Mengengerüst «Basisvariante»
    Die Basisvariante beschreibt die Anzahl stationärer und mobiler Geräte, die im Minimum für den Einsatz im Unterricht zur Nutzung durch die Lernenden zur Verfügung stehen müssen.
    Kindergarten 2 Geräte pro Kindergartenklasse
    Primarstufe 4 Geräte pro Schulklasse
    Oberstufe 5 Geräte pro Schulklasse, 1-2 Informatikzimmer”
    Dies erreichen wir im Moment nicht. Ich gehe davon aus, dass dies für viele Schulen im Kanton so zutreffen wird.

  • “Voraussetzung für den Einsatz von mobilen Geräten wie Notebooks, Tablets und Smartphones sind lokale drahtlose und verschlüsselte Netzwerke.”
    Auch dies ist eine neue Forderung, die aber an vielen Schulen bereits umgesetzt wird.

  • “Der pädagogische Support befasst sich mit Fragen rund um den Unterricht und stellt die Beratung von Lehrpersonen sicher.”
    Funktionierende Netzwerke und Geräte sind wichtig und an den meisten Schulen vorhanden. Wichtig ist nun, dass alle Lehrpersonen so viel pädagogische Unterstützung und Inputs erhalten, damit auch alle Schüler/-innen unabhängig von Lehrperson und Klasse in dieser neuen vierten Kulturtechnik ausgebildet werden.

James Studie 2014 – erste Ergebnisse

An der Didacta wurden erste Ergebnisse der James Studie bekannt gegeben:

  • In allen (100%) Haushalten mit Jugendlichen gibt es mindestens ein Handy.
  • 99% aller Haushalte mit Jugendlichen haben Internetzugang.
  • Mit 68% besitzen mehr als doppelt so viele Haushalte als 2012 ein Tablet.
  • 98% der Schweizer Jugendlichen besitzen ein eigenes Handy.
  • Instagram ist vor allem bei den 12- bis 13-Jährigen stark verbreitet, bei den Älteren überholt Facebook Instagram in der Beliebtheit.

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Ratgeber “Medienkompetenz im Schulalltag”

Jugend und Medien hat einen neuen Ratgeber für Lehrpersonen und Schulleitungen veröffentlicht. Dieser kann als PDF heruntergeladen oder als gedruckte Broschüre kostenlos bestellt werden.

Das Lesen lohnt sich für alle Lehrpersonen und besonders auch für die Führungsebene wie Schulleitungen und Schulbehörden. So können Voraussetzungen geschaffen werden, damit Medienbildung nicht nur von ein paar wenigen einzelnen Lehrpersonen gemacht wird, wie das heute noch in vielen Schulen der Fall ist. 

Auszug aus Kapitel 3:

Es herrscht ein breiter Konsens, dass es zu den Aufgaben
der Schule gehört, Kindern und Jugendlichen einen angemessenen
Medienumgang zu vermitteln ( ➔ Kapitel 2). Lehrpersonen,
Schulleiterinnen und Schulleiter teilen diese Meinung;
doch sie fragen sich, wann, wo und wie die Förderung der
Medienkompetenz im Unterricht – sprich: Medienbildung –
denn bitte stattfinden soll. Die Stundentafeln sind bereits
prall gefüllt und Medienkunde oder Medienbildung ist nur
in einigen wenigen Kantonen mit eigenen Zeitgefässen
ausgestattet.
Zu diesen strukturellen Herausforderungen kommt eine sich
schnell wandelnde Medienwelt, die es anspruchsvoll macht,
konkrete Themen längerfristig zu etablieren und die von der
Lehrperson eine permanente Auseinandersetzung verlangt.
Beides führt dazu, dass die Förderung der Medienkompetenz
im Unterricht trotz der erwähnten Akzeptanz oft vernachlässigt
wird. (aus: Kapitel 3, Seite 18)

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Wie sicher sind die Daten in der Cloud?

Ich wurde auf die interessante Dokumentation “Zugriff! Wenn das Netz zum Gegner wird” in der ARD Mediathek aufmerksam gemacht. Eine Reporterin versucht herauszufinden, wie weit man mit professioneller Hilfe kommt und hackt die Daten ihres Arbeitskollegen.

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Dabei wird auch immer wieder erwähnt, dass die Daten von amerikanischen Cloud-Anbietern durch die NSA abgegriffen werden können.

Umgekehrt wehrt sich Microsoft gerade gegen die Herausgabe von Daten aus einem europäischen Rechenzentrum an US-Behörden, obwohl es da scheinbar um Ermittlungen im Zusammenhang mit Drogenschmuggel geht (und damit wohl auch ein Rechtshilfegesuch genügen müsste). Daraus lässt sich immerhin ablesen, dass die US-Behörden scheinbar noch nicht automatisch Zugriff auf Rechenzentren in  Europa haben.